Was bleibt: Das finale Statusupdate

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So unterschiedlich wir alle sind, so haben wir doch alle eines gemeinsam: Irgendwann ist unsere Zeit vorbei. Der Tod gehört unweigerlich zum Leben dazu. Das ist eine dieser Tatsachen, die sich einfach nicht wegdiskutieren lässt. Was kommt nach dem Tod? Ich weiß es nicht. Ich habe keine Vorstellung darüber. Was bleibt nach dem Tod? Also meine Oma starb, da war da einiges. Das wichtigste: Die Erinnerungen. Aber im Haus, da blieb viel Krimskrams und einige Erinnerungsstücke. Bilder gab es auch viele, in Fotoalben und Kisten. Tja, so war das damals. Und wie sieht es heute aus, bei den digital Natives?

Was bleibt: Ein digitales Archiv in der Cloud

Heute habe ich gelesen, dass Joerg-Olaf Schaefers, ein Mit-Blogger von netzpolitik.org, viel zu früh verstorben ist. Ich kannte ihn nicht persönlich, habe hin und wieder seine Tweets gelesen und sicher auch den ein oder anderen seiner 400 Blogbeiträge gelesen. Im Mai diesen Jahres verstarb der Journalist Derek K. Miller. Und Miller hinterließ einen letzten Blogbeitrag, bevor er an Krebs starb. Miller hat den Beitrag zwar selbst geschrieben, aber nicht selbst veröffentlicht.

Derek K. Miller wusste das er sterben wird und hat einen letzten Blogpost "The Last Post" vorbereitet, den seine Freunde veröffentlichen sollte. Der erste Schritt, um seinen Blog in ein Archiv zu verwandeln.

“In advance, I asked that once my body finally shut down from the punishments of my cancer, then my family and friends publish this prepared message I wrote—the first part of the process of turning this from an active website to an archive.”

Es ist purer Zufall, dass ich heute mal wieder TEDtalks gucken wollte. Direkt der erste TEDtalk mit Adam Ostrow hat mich fasziniert. Denn er befasst sich genau mit diesem Thema: “After the final status update” Ostrow hat sich eben auch die obigen Fragen gestellt: Was bleibt, wenn wir nicht mehr sind.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=D03n5dAmBSE[/youtube]

Ostrow hat sich mit Social Media Services angesehen, die irgendwie den Tod als Topic haben. Zum Beispiel ifidie.net (If I die). Dort kann man ein Video, eine Sprach- oder Textnachricht hinterlegen, die nach dem Tod auf Facebook veröffentlicht wird. Scary? Ja. Doch Ostrow geht noch weiter. Der Dienst My next Tweet analysiert beispielsweise den Twitterstream und schlägt vor, was der nächste Tweet sein könnte.

Das digitale Leben nach dem Tod

Ostrow denkt die Idee weiter, denn die Technologie ist erst am Beginn der Entwicklung. Was ist, wenn in Zukunft solche Services unsere Accounts weit nach unserem Tod weiter interagieren lassen? Scary? Auf jeden Fall. Doch so abwegig ist der Gedanke gar nicht. Nutzer von Social Media produzieren immens viel Content. 48 Stunden Videomaterial wird jede Minute bei YouTube hochgeladen, 200 Millionen Tweets werden täglich bei Twitter veröffentlicht und im Monat erstellt ein durchschnittlicher Facebook Nutzer 90 Inhalte. Kann zukünftige Technologie diese Inhalte, die ein Archiv unseres Lebens sind, auswerten und unsere Accounts auch nach unserem Tod am Leben erhalten?

Viel wichtiger wird aber die Frage sein, ob wir und die Angehörigen das überhaupt wollen. Ist es nicht besser einen Abschluss zu finden und unser digitales Archiv als Erinnerung zu behalten? Oder wird man vielleicht entscheiden, dass alles – jeder Account, jedes Video, jede eMail, jeder Blogpost, jedes Foto – gelöscht wird?

Auf jedenfall werden wir, die Digital Natives, jede Menge unserer Persönlichkeit hinterlassen. Ob wir unsere Angehörigen auch in die tiefen unserer Persönlichkeit blicken lassen werden, also unsere Zugangsdaten für die Accounts hinterlassen werden, ist eine wichtige Frage. Die Frage wird auch sein: Wie will man der digitalen Welt in Erinnerung bleiben?

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